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Expressionismus (Literatur) Artikel
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Aus den beiden lateinischen Wörtern "ex" und "primere" zusammengesetzt bedeutet es "Ausdruckskunst"; es werden also innerlich gesehene Wahrheiten und Erlebnisse dargestellt, nicht die Lichtreize, wie sie auf das Auge fallen.
Den Expressionismus lässt man meist von ungefähr 1910 bis 1925 andauern. Doch häufig wird auch gesagt, dass man diese Epoche nach hinten schlecht begrenzen kann, da nachdem Zweiten Weltkrieg bis heute noch manche bedeutsamen Werke eigentlich expressionistisch sind.
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Soziale und ethische Hintergründe der Entstehung des Expressionismus | |
An dieser Stelle sei Hermann Bahr, bedeutender Beobachter dieser Zeit, als Ausgangspunkt zitiert:
- "Deshalb geht es, dass der Mensch sich wiederfinden will... Die Maschine hat ihm die Seele weggenommen - und jetzt will ihn die Seele wiederhaben. Deshalb geht es; alles, was wir erleben, ist ca. der ungeheure Kampf um den Menschen, Kampf mit der Maschine.
Wir leben ja nicht mehr, wir werden gelebt... Niemals war eine Zeit von solchem Entsetzen geschüttelt, von solchem Todesgrauen. Die ganze Zeit wird ein einziger Notschrei, auch die Kunst schreit mit. Sie schreit nachdem Geist: das ist der Expressionismus!" (zit. n. Wilhelm Genzmann: "Deutsche Literatur der Gegenwart", 1953).
In diesem Kommentar steckt deutliche Kritik an der damaligen Situation:
Der expressionistische Künstler lehnt sich auf gegen eine "Enthumanisierung" durch die Industrialisierung. Er sieht sich von den Maschinen, die durch die sprunghaft wachsende Industrie allgegenwärtig sind, und durch die Autorität der Großunternehmer diktiert. Dadurch fühlt er den Menschen selbst zur Maschine funktionalisiert.
Auch die Anonymität der Großstadt bildet einen Grund, dass der Mensch den Bezug zu seinem Geist und seiner Seele verliert. Durch die technischen Erfolge kommt Selbstzufriedenheit (?) in den Menschen auf. Letztlich würde die Weiterführung dieser Gedanken zu einer Gesellschaft ohne Rücksicht und Moral führen.
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Der historische Hintergrund | |
Die "Ausdruckskunst" wurde in eine Zeit von großen Ereignissen, Turbulenzen und vor allem in die Zeit bzw. Vorzeit der Weltkriege hineingeboren.
Unter Wilhelm II. erlebte Deutschland eine unruhige Zeit. Auf der einen Seite stand seine Vernachlässigung innenpolitischer und sozialer Probleme, auf der anderen Seite die verstärkte Militarisierung und die turbulente Außenpolitik:
Dem Dreibund Deutschlands mit Italien und Österreich-Ungarn standen zu dem einen der Pakt Russische Förderations mit Frankreich, zu dem anderen die so genannte "Entente cordiale" Frankreichs mit Großbritannien entgegen. Als sich dann Deutschland nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgepaares in den kritischen Konflikt "verhedderte", sah sich Deutschland schließlich auch beim dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs umgeben von Gegnern.
Nach schweren Kriegsjahren waren die politischen und wirtschaftlichen Probleme Deutschlands noch lange nicht ausgestanden. Der Vertrag von Versailles 1919 mit immensen Forderungen an die Weimarer Republik bildete einen erneuten Rückschlag. Die Gebietsabtretungen, der Verlust des Auslandsvermögens und die Wiedergutmachungszahlungen stürzten die Wirtschaft in ein tiefes Loch. So sah man sich 1923 mit der Inflation, die das Vertrauen der Bürger in den Staat schwer erschütterte, an einem neuen Tiefpunkt angelangt.
Immer schwieriger nun auch eine politische Mehrheitsfindung bei der Regierungsbildung, da das Parlament stets weiter zersplitterte.
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Der philosophische Hintergrund | |
Der Einfluss des naturwissenschaftlichen Denkens richtete sich auf die Geisteswissenschaften gelenkt unter besonderem Einfluss des französischen Philosophen Henri Bergson (1859 - 1941), der zu beweisen suchte, ca. die Intuition, d.h. die innere Anschauung und nicht der "zergliederte" Verstand, könnten das Wesentliche unmittelbar erfassen.
In Deutschland und Österreich findet er Nachfolger, wie z.B. Oswald Spengler (1880 - 1936) mit seinem "Untergang des Abendlandes ".
Ein Vorbild findet man vor allem in dem bekannten deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche. Er forderte den neuen Menschen, den so genannten "Übermenschen", dazu auf, er solle dem Neuen ungeachtet der Gefahren entgegengehen (Seiltänzer in dem Werk "Zarathustra").
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Die Denkweise der Expressionisten, Vergleich mit dem Sturm und Drang | |
In der Jugend der Jahre um die Jahrhundertwende vollzog sich bald eine Aufbruchsstimmung ähnlich der des Sturm und Drangs.
Die junge Generation kritisierte die aktuelle Ordnung, sie hatte den festen Willen der Erneuerung. Revolutionär und respektlos griff sie in beiden Epochen die Vergangenheit an. Die einstigen Stürmer und Dränger jedoch klagten ca. die sozialen Missstände, z.B. die Ständeordnung, an und kämpften für geistige und schöpferische Freiheit, die jungen Expressionisten hingegen suchten neben diesen Absichten vor allem die Welt vor einem bevorstehenden Chaos zu retten.
In den jungen Dichtern entbrannten düstere Visionen vom (Welten-) Ende ("Menschheitsdämmerung "). Diese Gemütslage lässt sich unschwer in dem Gedicht "Aufbruch der Jugend" von Wilhelm Lotz erkennen.
Die Autoren traten nun für einen kompletten Bruch mit der Vergangenheit ein und setzen sich die Absicht, sich selbst zu finden und die Welt zu retten. Zugrunde lag diesem Absicht insbesondere nach 1914 ein starker Pazifismus. Dieser bildete sich vor allem heraus, zumal ein Großteil der Dichter den Ersten Weltkrieg miterlebten und selbst als Soldaten Dienst leisteten.
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Man könnte denken, dass speziell die kleinbürgerlichen Schichten die ersten Vertreter der neuen Literaturrichtung stellten, denn sie waren ja die eigentlichen Opfer der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Missstände. Doch erstaunlicherweise stammen die kritischen Autoren aus bürgerlich-gebildeten Schichten und besuchten fast alle ein Gymnasium oder eine Universität. Der Hintergrund dieses scheinbaren Paradoxons ist die erstarrte Bildung, d.h., es wurden Ideale gelehrt, die schon lange nicht mehr mit der Wirklichkeit übereinstimmten. Diese Widersprüche fielen der Jugend natürlich auf und verunsicherten ihre persönlichen Wertvorstellungen.
So kam es, dass die Karriere verdrängt wurde und sich die neuen Künstler entweder als Verkünder einer neuen Zeit verstanden oder sie sich einfach ca. befreien wollten von Konventionen.
Unter den Expressionisten herrschte stets ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl, so dass sich Vereinigungen wie der "Charon " bildeten. Diese gaben Zeitschriften heraus wie "Der Sturm ", "Der Brenner", "Die Aktion ", "Das neue Pathos " oder die berühmte Zeitschrift "Die Brücke". Letztere wurde von Karl Röttger (1877-1942) herausgegeben, um die Ideen der "Charontiker" bekanntzumachen.
In den Zeitschriften wurden wiederholt politische Thesen und sozialistische Forderungen veröffentlicht. Vielfach handelten Texte von Themen wie Frieden, Weltverbrüderung.
Nicht wenige Expressionisten fühlten sich zu dem Sozialismus als einem neuen Ideal hingezogen. Sie verurteilten den aufkommenden Nationalismus, im sie eine Bedrohung sahen.
Ab 1933 setzte eine Verfemung expressionsistischer Künstler ein. Der Nationalsozialismus machte der Kunstepoche ein jähes Ende.
Buch-Tipp: Geschichte der deutschen Literatur. Epochen, Autoren, Werke. (Lernmaterialien) Insgesamt okay Inhaltlich betrachtet ein ordentlicher Überblick über die deutsche Literaturgeschichte, wenn auch die persönlichen Vorlieben des Autors an einigen Stellen ein wenig zu offen zutage treten (Stichwort: "Brecht"). Ärgerlich, und für den Verfasser, respektive seinen Lektor, hochgradig peinlich, sind die vielen kleinen Fehler in Orthographie... |
Ausprägungen des Expressionismus | |
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Die Namensgebung: Der Legende nach wurde einmal ein Federmesser in ein deutsch-französisches Lexikon gesteckt, das den Blick auf "dada = kindliche Nennung für Holzpferdchen" lenkte. Doch selbst die Dadaisten waren sich nicht einig, was Dada bedeutet. Zu dem 50. Jubiläum des Dadaismus schrieb Hans Arp folgende Verse zur Titelfrage:
- "Vor 50 Jahren war dada da,
da dada da war, eh dada da war, war dada da als dada da war."
So "unvernünftig", wie dieser Titel also ist, so "ohne Vernunft" war auch das Denken der Dadaisten. Man war der Meinung, dass die menschliche "Vernunft" es so weit gebracht hatte, dass sich beispielsweise die Völker in Kriegen vernichteten. Darum verlangten die Schriftsteller eine "Rückkehr der menschlichen Naivität" und einen "Verzicht auf jede Logik". Ohne Zweifel sind diese Forderungen auch in dem Schreibstil der Dadaisten erkennbar. Häufig wurden Worte oder Sätze ohne logischen und grammatikalischen Zusammenhang aneinandergereiht oder das Ergebnis eines Werkes war absurd und aussagelos.
Kurt Schwitters Titelgedicht zu "An Anna Blume" (1919) gipfelte beispielsweise einmalig und völlig unerwartet in der erschütternden Feststellung:
"Man kann dich auch von hinten lesen, und du, du Herrlichste von allen, du bist von hinten wie von vorne: »a-n-n-a«."
Äußerst interessant sind auch Kurt Schwitters so genannte "visuelle Gedichte", die nicht durch ihren Inhalt, sondern durch den Einfall und das Arrangement glänzen. ====Arbeiterdichtung ====
Auch die Arbeiter wollten an der Zeit des Frühexpressionismus teilhaben. Sie betonten in ihrer Dichtung ihren Stolz und ihr Selbstbewußtsein und bekannten sich zu ihrer Arbeit.
Sie dachten kommunistisch und ordneten sich in die Gesamtheit des Volkes ein.
Die Träger der Arbeiterdichtung waren u.a. Alfons Petzold , Heinrich Lersch und Jakob Kneip .
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Die expressionistische Prosa | |
Die Erzählkunst des Expressionismus ist von eher kleiner Bedeutung.
Denn die wohlüberlegte Struktur eines epischen Werkes stand der Ausdruckskunst gegensätzlich gegenüber und es fiel schwer, das eigene Fühlen zu dem Ausdruck zu bringen.
Autoren wie Klabund (eigentlich Alfred Henschke) und Kasimir Edschmid versuchten sich zwar in der expressionistischen Epik, doch hatten sie ca. mit wenigen dieser Werke Erfolg.
Bekannt sind lediglich Klabunds "Kreidekreis", zudem "Moreau" und sein "Mohammed", Leonhard Frank schrieb "Die Räuberbande".
Der wichtigste Erzähler der Zeit, Alfred Döblin (1878-1957), erlangte durch den Roman "Berlin Alexanderplatz" Weltruhm.
Buch-Tipp: Harenberg Buch der 1000 Bücher 1 Tausend Bücherwünsche Einfach ca. unglaublich, was alles zur Weltliteratur gehört! Oder hätten sie gewusst das Biene Maja, der Struwwelpeter, und Harry Potter mit von der Partie sind?
Das Buchformat an sich ist ein Ereignis. Es ist ein ordentlicher Wälzer, der allein durch seine Erscheinen jeden dazu auffordert ihn durch zu blättern. Bei mir... |
Das dramatische Schaffen des Expressionismus | |
Im Drama konnten expressionistische Schriftsteller ihre Ideen der Wandlung wirkungsvoll demonstrieren. Daher übernahm es damals neben der beherrschenden Lyrik eine wichtige Rolle. Die Geburt des neuen, gewandelten Menschen wurde gezeigt und als Beispiel dargestellt (z.B. "Die Wandlung" von Ernst Toller).
Unterstützt wird das Drama durch Musik, Tanz, Pantomime, Bühnenbild und Lichteffekte. Die Personen werden nicht als individuelle Wesen, sondern typisiert dargestellt ("Mann", "Frau", "Tochter" ...). Die Charaktere werden häufig übersteigert oder grotesk verzerrt, um die Seele aufzudecken; häufig fehlt die Ausgestaltung der individuellen Wesenszüge. Meist wurde als Hauptfigur ein junger Mensch in das Zentrum gesetzt, der Konflikte mit den Schicksalsgewalten, mit der engstirnigen Gesellschaft oder mit dem eigenen Vater austrug.
Buch-Tipp: Hunderteinunddreißig expressionistische Gedichte Eine spannende Anthologie Wenn ein so bedeutender Lyriker wie Peter Rühmkorf Gedichte aus einer der kreativsten Phasen deutscher Dichtkunst zu einer Anthologie zusammenstellt, so verspricht dies spannend zu werden. Rühmkorf versammelt in diesem Taschenbuch 131 Gedichte von 21 deutschsprachigen Dichtern des Expressionismus, begleitet von einem... |
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Am besten waren die Gedanken der "Epoche des Ausdrucks" in der Lyrik auszudrücken. In ihr konnten die Probleme besonders klar schon von der Wurzel angesprochen werden. Ausdrucksfülle sollte die unmittelbaren, nicht selten anklagenden Gefühle mitteilen.
Bedeutend für die expressionistischen Dichter war nicht die eigene Situation und persönliche Schwierigkeiten, also nicht die eigene Persönlichkeit, sondern die Beziehungen aller Menschen untereinander. Fortlaufend wurde an Humanität, Menschenliebe (so u.a. in Gottfried Benns "Der Weltfreund") und Frieden appelliert; Krieg, (Völker-) Hass und Tod waren dagegen, insbesondere für die kriegsteilnehmenden Dichter, "Horrorvision" und Angriffspunkt (Gedichte wie "Der Krieg" von Georg Heym, s. 14.).
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Kennzeichen expressionistischer Lyrik: |
- Reihungsstil
- Metaphorik u.a.
- Dynamisierung der Sprache durch Vielzahl an Verben der Bewegung
- Veränderung der gebräuchlichen syntaktischen ordnung und Grammatik
- Eindrücke des lyrischen Ichs sind stark subjektbezogen
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Die bedeutendsten Autoren und wichtige Werke des Expressionismus | |
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Zusätzlich z.B.:
Die meisten der eben genannten Künstler haben sich entweder bald vom expressionistischen Stil abgewendet oder sind ihm nicht eindeutig zuzuordnen.
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Diese Ausarbeitung über die literarische Epoche des Expressionismus sollte dem Leser einen Überblick über das Schaffen jener Zeit geben.
In der gelesenen Arbeit wurden die Hintergründe angesprochen, die die Autoren damals zu solchen, in der Art noch nie dagewesenen Werken drängten. Die zeitkritische, revolutionäre Denkweise ließ Dichtungen entstehen, die sogar heute noch zu dem Großteil Geltung haben und deren Einfluss seither bemerkbar ist.
Stücke großer Autoren späterer Zeit, wie Heinrich Manns "Der Untertan", Heinrich Bölls "Verlorene Ehre der Katharina Blum", Carl Zuckmayers "Hauptmann von Köpenick" oder Günter Grass? "Die Blechtrommel", lassen noch stets Einwirkungen der expressionistischen Kunst erkennen.
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